Hausmittel gegen Bettwanzen – Hilfreich oder Gefährlich?

Lavendel Nahaufnahme

Lavendel hilft NICHT gegen Bettwanzen!

Die natürliche Reaktion für viele, wenn es zu Bettwanzen kommt, ist nach ‚bewährten‘ Hausmitteln zu greifen, entweder zur Vorbeugung oder Selbstbehandlung eines Befalles. Aber gibt es überhaupt Hausmittel, oder andere, frei erhältliche, Mittel und Methoden die gegen Bettwanzen helfen? Oder machen diese die ganze Sache nur schlimmer? Hier eine Liste der meist gebräuchlichsten Hausmittel, Mittel oder Methoden und ihr Effekt, oder nicht!, auf Bettwanzen. Und bevor ich dazu komme, hier noch ein wichtiger Hinweis: Wenn ich etwas als ‚flankierende Maßnahme‘ empfehle, heißt das, das diese Mittel und Methoden zusätzlich zur Behandlung durch den Kammerjäger eingesetzt werden können und immer mit diesem vorher abgesprochen werden müssen! Alleine reichen sie NICHT aus um einen Bettwanzenbefall erfolgreich zu bekämpfen!

Hausmittel

Ätherische Öle Als Hausmittel zur Bettwanzen Vorbeugung werden oft ätherische Öle wie Lavendel, Zedernöl, Teebaumöl, Neem und so weiter propagiert. Tatsache ist das sich die Bettwanzen nicht dafür interessieren wie es im Zimmer, Bett oder am Menschen riecht, sie wollen Blut! Wer glaubt das ein Lavendelsäckchen im Pilgerrucksack vor Bettwanzen schützt kann eine schlimme Überraschung erleben! Siehe auch diesen Artikel: >>> http://bettwanze.org/jakobsweg-bettwanzen/03/2012/<<<

  • Fazit: Ätherische Öle oder getrocknete Kräuter beugen Bettwanzen nicht vor!

Alkohol, besonders hochprozentiger, und vergällter Brennspiritus tötet zwar Bettwanzen im direkten Kontakt ab, ist aber aus zwei Gründen nicht zu empfehlen. Erstens ist hochprozentiger Alkohol schnell entflammbar, also gefährlich in der Anwendung, vor allen in größeren Mengen, und zweitens weil er nur sehr kurzfristig und direkt wirkt. Nach wenigen Minuten ist er verdunstet und da sich die Bettwanzen tagsüber in ihren Verstecken aufhalten kommen sie mit ihm eh nicht in Berührung. Hier eine Geschichte aus Amerika, zur Abschreckung! Und nein, es handelt sich leider nicht um einen Einzelfall:

„Eine Frau in Kentucky hat ihre Couch im Juni 2012 mit Alkohol eingesprüht um die darin befindlichen Bettwanzen abzutöten. Unglücklicherweise fiel ihr dabei eine angezündete Zigarette aus dem Mund … Bettwanzen tot, aber 30 Menschen, die auch in diesem Mehrfamilienhaus wohnten verloren ihre Wohnung und alle ihre Besitztümer! Glücklicherweise starb, außer den Bettwanzen, keiner …“

Quelle:>>> http://www.wdrb.com/story/18923683/woman-trying-to-kill-bedbugs-burns-down-apartment<<<

  • Fazit: Alkohol und vergällter Brennspiritus sind gefährlich in der Anwendung und töten Bettwanzen nur bei direkten Kontakt ab.

 

Andere Mittel

Freierhältliche Bettwanzensprays enthalten Insektizide, wie Pyrethroide, gegen die viele Bettwanzen leider schon resistent geworden sind. Siehe auch diesen Artikel:

>>>http://bettwanze.org/bettwanzenspray/04/2012/<<<

Mit Permethrin behandelte Geweben, wie das Bettwanzen Schutzlaken, siehe diesen Artikel

>>>http://bettwanze.org/bettwanzen-frei-reise-schutzlaken/02/2011/<<<

sieht es ähnlich aus, trotzdem kann ich beide zur Vorbeugung empfehlen. Wenigstens bis etwas besseres auf den Markt kommt 😉

  • Fazit: Bettwanzensprays und mit Insektiziden behandelte Gewebe spielen eine Rolle in der Vorbeugung, sind aber nicht zur Eigenbehandlung eines Befalls geeignet.

 

Über Kieselgur habe ich hier

>>>http://bettwanze.org/kieselgur-kaufen/01/2012/<<<

schon ausführlich geschrieben, deshalb hier nur das

  • Fazit: Kieselgur tötet geschlüpfte Bettwanzen auf mechanische Weise ab, muss aber dafür mit ihnen in direkten Kontakt kommen. Als flankierende Massnahme, natürlich in Absprache mit dem Kammerjäger, sehr zu empfehlen! Und nicht vergessen, beim arbeiten mit Kieselgur immer eine gute Staubmaske zu tragen!

 

Andere Methoden

 Wenn es einen Preis für die dümmste Methode der Bettwanzenbekämpfung gäbe, der Fön würde ihn gewinnen! Die ‚Fönbehandlung‘ wird immer mal wieder im Internet erwähnt und die Idee basiert auf der Hitzeempfindlichkeit der Wanzen. Es stimmt schon, das bei Temperaturen über 43C das Eiweiss im Körper der Bettwanzen denaturiert und das 30min bei 45C alle Lebensstadien zuverlässig abtöten, aber keiner kann mir weismachen das die lieben Tierchen solange stille sitzen! Ausserdem kommt noch hinzu, das der Luftstrom des Föns Wanzen und Eier in der ganzen Wohnung verteilt und so den Befall schlimmer und nicht besser macht!

  • Fazit: Hände weg vom Fön!

 Andere Hitzequellen Einfach die Heizung aufdrehen oder, sogar schlimmer, das Zimmer oder die Wohnung mit tragbaren Heizkörpern auf eigene Faust auf zu wärmen wollen ist auch keine gute Idee, ich erkläre:

Damit diese Methode (Thermo-Entwesung genannt) wirkt muss die Hitze schnell und gleichmäßig im ganzen Zimmer erreicht werden, besonders in den Verstecken wo sich die Eier befinden! Das heißt das diese Methode spezielle Öfen erfordert die a) teuer sind und b) deren Bedienung in die Hand das Fachmanns gehört. Außerdem kann die erforderliche Hitze auch viele Gegenstände, und natürlich Pflanzen und Haustiere, negativ beeinflussen und eine sorgfältige Vorbereitung des Raumes ist daher notwendig.

  • Fazit: Hitze ist zur Selbstbehandlung eines Befalles nur für kleinere Gegenstände, Wäsche waschen und im Trockner trocknen etc. als flankierende Maßnahme empfohlen, das aufheizen ganzer Räume mit Spezialöfen gehört unbedingt in die Hand des Fachmannes! Brandgefahr!

 

Kälte, das heisst Temperaturen unter -18C für mindestens 72h, so dass diese Temperatur auch wirklich überall erreicht wird!, tötet Bettwanzen zuverlässig ab und ist besonders für kleine Gegenstände wie Bücher, geeignet. Bitte diese aber immer vorher in Plastiktüten sicher abpacken und die Tiefkühltruhe während der ganzen Zeit nicht öffnen!

  • Fazit: Einfrieren kleiner Gegenstände, die niedrige Temperaturen vertragen, in der Tiefkühltruhe ist als flankierende Maßnahme zu empfehlen.

 

Zusammenfassung:

  • Insektensprays oder behandelte Gewebe können helfen Bettwanzen fern zu halten, solange diese nicht schon gegen den Wirkstoff immun sind. Alle anderen Hausmittelchen wie ätherische Öle oder getrocknete Kräuter lassen die Bettwanzen unbeeindruckt!
  • Hitze, Kälte und Kieselgur töten Bettwanzen zuverlässig ab, wenn sie richtig und lange genug eingesetzt werden.
  • Einige Hausmittel, wie die oben erwähnte Fön Methode, das überhitzen der Räume auf eigenen Faust und ähnliches sind gefährlich, unwirksam und können zur Verschlimmerung der Situation beitragen!
  • Alle Hausmittel sollten nur als flankierende Maßnahmen zur Behandlung durch den Kammerjäger eingesetzt werden und müssen immer mit diesem abgesprochen werden.

 

Haben Sie von einem anderen Hausmittel gegen Bettwanzen gehört und sind sich unsicher ob es hilft oder schadet? Hinterlassen Sie einfach einen Kommentar, natürlich mit dem Namen des Mittels und ich werde ihn zu meinem besten Wissen und Gewissen beantworten!

4 comments to Hausmittel gegen Bettwanzen – Hilfreich oder Gefährlich?

  • Anonymous

    Guten Tag,

    kann man sich eigentlich vor Wanzenbissen schützen oder dem vorbeugen. Kann man irgendetwas einnehmen, sprühen ect.?

    Danke für Ihre Antwort

    • Bettwanzen Hilfe

      Das ist ja doch das Thema dieser Seite 😉 Schauen Sie sich mal um und wenn Sie konkrete Fragen haben hinterlassen Sie bitte einen neuen Kommentar. Vielen Dank 😉

  • joy

    Hallo,

    sehr aufklärende Seite über diese Fieslinge. Prima

    Mich würde aber mal die Aussage in der *.pdf Datei des Umweltbundesamt interessieren.

    „Überlebensrate beträgt nach 90 Hungertagen bei 16 °C noch 90%“

    Gilt das NUR für die adulten Wanzen, oder auch für die Larven? Denn meine Beobachtungen waren, dass sich ca. 15 Larven nach dem Schlüpfen, ohne Blutmalzeit, in etwa 6 Wochen halten, dann ist die Batterie leer. Allerdings waren die in einem Glas untergebracht, und bekamen evl. keinen Sauerstoff. ;o)

    Viele Grüße, weiter so…

    • Bettwanzen Hilfe

      Vielen Dank für das Kompliment über meine Seite 😉 Der Abschnitt in der Broschüre bezieht sich auf die Aufbewahrung der ‚Fieslinge‘ zu Zucht und akademischen Zwecken und wenn ich mir das Bild anschaue sehe ich da alle Lebensstadien vertreten. Macht ja auch Sinn, da sich die Bettwanzen während der Aufbewahrung fröhlich weiter vermehren können und tun 😉 Ich würde sagen das die Larvenstadien (Nymphen) sicher empfindlicher sind wenn es zu Nahrungsmangel kommt, da sie ja mindestens eine Blutmahlzeit vor jeder Weiterentwicklung benötigen, siehe: http://bettwanze.org/vermehrung-und-lebenszyklus/06/2012/

      Zu ihrer Beobachtung: Bitte bedenken Sie, das für eine ‚richtig wissenschaftliche‘ Beobachtung alle Faktoren gleich und stabil seien müssen. Das heißt in Ihrem Falle, das die Larven bei der gleichen Temperatur, Luftfeuchtigkeit und mit Sauerstoff versorgt (ausbruchssicher!) aufbewahrt werden müssen.Wie Sie es beschrieben haben kann es gut sein das die Larven (Nymphen) gar nicht verhungert sind sondern an Sauerstoffmangel eingegangen sind. Hoffe das hilft weiter 😉